Eine litauische Sage berichtet, dass einst die Meerjungfrau Juraté den Fischer Kastytis bei einem Sturm das Leben rettete. Sie verliebten sich ineinander, worauf der Donnergott Perkunas eifersüchtig wurde und Kastytis tötete. Seit dem weint Juraté, und ihre Tränen verbreitet das Meer als Bernstein.
Viele Menschen zieht es täglich an den Strand, um eine Träne der Juraté zu finden. Routinierte

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Bernsteinsammler haben “ein Auge” für Bernstein. Der Rohbernstein ist bräunlich und verbirgt sich zwischen Algen und schwarzen Holz – auch Modder genannt. Nach Stürmen wird er zusammen mit Material, das nicht schwimmt, im “Sprockholz”, angespült. Bekannte Fundorte nach Sturmfluten mit Winden aus Nord bis West sind z.B. die Düne von Helgoland, die Sandbänke bei St. Peter-Ording, vor Büsum und die Strände der Ost- und Nordfriesischen Inseln. Manche Sammler schwören darauf, dass Möwen auf der Suche nach totem Fisch über Bernsteinen kreisen und dass man mehrere Tage nach Abflauen der Stürme aus Nordwest bis Südwest Glück haben kann. Bereits am frühen Morgen, wenn es noch Dunkel ist, laufen leidenschaftliche Sammler mit Taschenlampen am Strand entlang. Andere Sammler schwören auf die Suche im Watt. Wer einen vermeintlichen Bernstein gefunden hat, kann ihn einfach testen: ein leichtes Klopfen am Zahn soll einen weichen Ton erzeugen. Die ähnlichen gelben Feuersteine klingen härter.
Bernstein hat seit Jahrtausenden die Menschheit begeistert. Bereits vor 10 000 Jahren wurde er zu Ketten verarbeitet und von Schamanen als Weihrauch verwendet. Bernstein war wichtigstes Handelsgut neben Salz, Bronze und Zinn.
Der Grieche Phyteas besuchte um 334 vor Christus die “Bernsteininseln”, die West-, Ost- und Nordfriesischen Inseln. Er berichtete, dass die Bewohner der Insel Abalus mit Bernstein heizten. Um Christi Geburt wurden die Nordseeinseln “Elektriden” genannt (elektron heißt auf griechisch Bernstein). Für die Römer der Kaiserzeit war das “Gold des Meeres” ein wichtiges Statussymbol. Plinius der Ältere reiste um 50 nach Christus nach Ostfriesland. Er berichtet von einer Insel Namens “Abalus”, womit Baltrum gemeint sein kann, denn die Herkunft des Namens “Baltrum” ist bis heute ungeklärt.
Im Mittelalter besaßen nur Kaufleute und Feudalherren das Recht, mit Bernstein zu handeln. Leibeigene Frauen, Kinder und ältere Leute wurden bei Wind und Wetter an die Strände geschickt zum Bernstein sammeln. Es warteten harte Strafen für diejenigen, die ihr Tagessoll nicht abliefern konnten. Fischer mussten ihre Bernsteinfunde gegen Salz eintauschen.
Der Inbegriff des Bernsteinluxus ist das legendäre Bernsteinzimmer, das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschollen ist.
Seit um 1890 der Bernstein industriell mit Baggern gewonnen wurde, war der Schmuckstein auch für breite Massen erschwinglich.
Die ältesten Bernsteine sind bis zu 400 Millionen Jahre alt. Der baltische Bernstein, der auch an der Nordsee gefunden wird, ist vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren aus dem Harz von Nadelbäumen der Bernsteinwälder entstanden. Nach neuen Erkenntnissen handelt es sich aber nicht um das Harz der Bernsteinkiefer, sonder um das der Goldlärche. Das Harz trat aus der verletzten Rinde aus und muss recht dünnflüssig gewesen sein, damit es die Inklusien einschließen konnte. Inklusien sind vom Harz eingeschlossene Mücken, Libellen, Spinnen, aber auch Pflanzenteile wie Moose, Flechten oder Vogelfedern. Nur einer von 500 Bernsteinen zeigt eine Inklusie. Vollständig erhaltene Insekten sind von unschätzbarem Wert für die Paläonthologie.
Die Bernsteinwälder Finnlands und Mittelschwedens versanken in Sümpfen. Das Harz lagerte unter Sand und Gesteinsschichten, wo es unter Druck und Luftabschluss zu Bernstein härtete. Die Gletscher und Schmelzwasser der Eiszeiten transportierten den Bernstein zu seinen heutigen Fundorten, den Küstenbereichen der Nord- und Ostsee.
Seine Farbe kann weiß, hellgelb, goldgelb, orange bis zu rötlich und bräunlich sein.
Die Faszination für Bernstein ist bis heute erhalten. Galt er im Mittelalter als Beschützer vor Hexen und Dämonen, so ist er heute für viele ein Heil- und Schutzstein, der Ängste vertreibt und Lebensfreude weckt.
Wann ist die beste Gelegenheit, Bernstein an der Nordsee zu finden?
Insbesondere 1-2 Tage nach Herbst- und Winterstürmen ist die die Chance besonders hoch, dass die Nordsee bei auflandigem Wind Bernsteine vom Grund an die Oberfläche bringt und an die Strände der Nordsee spült. Die Zeit zwischen Ebbe und Flut ist der ideale Zeitpunkt Bernsteine zu sammeln. Besorgen Sie sich vor Ort einen Tidenkalender. Spielt das Wetter mit und die Sonne scheint, glänzen die Bernsteine wie Gold und können aus dem Wasser herausgefischt oder am Strand aufgesammelt werden.
Benötige ich eine besondere Ausrüstung zum Sammeln?
Gummistiefel sollten beim Sammeln von Bernsteinen nicht fehlen. Gerade wenn Sie im richtigen Zeitfenster am Strand sind, können Sie die Bernsteine aus dem Wasser heraussammeln, aber auch zum Durchwühlen des Modders können Gummistiefel sehr hilfreich sein. Viele Sammler verwenden einen Kescher, um den Vorgang zu professionalisieren. Möchten Sie vom Tageslicht unabhängig sein, sollte auch eine starke Taschenlampe nicht fehlen. Suchen Sie das erste mal Bernsteine, sollten Sie daran denken sich warm anzuziehen. Finden Sie den ersten Bernstein, werden Sie nicht so schnell von der Suche loskommen.
Ist der Bernstein überall am Strand zu finden?
Bernstein befindet sich vor allem dort, wo das Meer Tang, Holz und kleine, zerbröselte schwarze Stücke an Land gespült hat. Bernsteine sind oft direkt im Modder, so dass dieser zur Suche durchwühlt wird. Wenn Sie unsicher sind, beherzigen Sie den Ratschlag, Ausschau nach Ansammlungen sich bückender Menschen zu halten. In den meisten Fällen haben diese Menschen eine attraktive Stelle zum Suchen gefunden. An einigen Stränden der Nordsee sind Verkehrsmittel erlaubt. Viele hauptberufliche Sammler fahren die idealen Stellen mit ihren Rollern oder Autos ab. Auch Sie sind ein Indiz für eine gute Bernstein-Stelle.
Woran erkenne ich einen Bernstein?
Bernsteine sind im Verhältnis zur Größe besonders leicht. Die Farbe kann zwischen weiß, hellgelb, goldgelb, orange bis zu rötlich und bräumlich variieren. Hält man den Bernstein in die Sonne glänzt dieser. Oft wird der Bernstein auch mit kleinen Feuersteinen verwechselt. Um zu überpüfen, ob man einen Bernstein gefunden hat, kann man wie folgt vorgehen: ein leichtes Klopfen am Zahn soll einen weichen Ton erzeugen. Hingegen klingen gelbe Feuersteine wesentlich härter.
Nordseewolf
DANKE!!!😄
Super informativ, danke!