Laut Hiltrud Schrandt vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Oldenburg gibt es aktuell den zweithöchsten Bestand an Seehunden im niedersächsischen Wattenmeer seit Beginn der Zählungen. Insgesamt wurden in diesem Jahr 6369 Seehunde gezählt, darunter 1446 Jungtiere. 26 von ihnen befinden sich momentan in der Seehundstation Norddeich, wo sie aufgepäppelt werden. Wie die “Welt” berichtet, waren die erschöpften Jungtiere Opfer der ersten Herbststürme und stark geschwächt in die Station gebracht worden.
Peter Lienau, Leiter der Seehundstation Norddeich, erwartet in den nächsten Wochen noch zahlreiche weitere Jungtiere in seiner Station, da ab Anfang Dezember die Saison der Kegelrobben beginnt. Grund genug für Lienau noch einmal darauf hinzuweisen, wie man sich gegenüber den Jungtieren richtig verhält. Die jungen Kegelrobben haben nämlich zunächst ein weißes Fell, das so genannte Embryonalfell. Solange dieses noch nicht durch ein schützendes Schwimmfell ersetzt wurde, müssen die Tiere an Land bleiben und sind darauf angewiesen, dass ihre Eltern sie versorgen. Während der Nahrungssuche müssen die Kegelrobben die Jungen zeitweise alleine lassen, dann passiert es, dass die jungen Robben aus Hunger oder Langeweile nach ihren Eltern rufen.
Für die Menschen klingt dies oft nach dem Geheule eines verlassenen Jungtieres. Sie meinen, die junge Robbe retten zu müssen, doch das kann gefährliche Folgen haben. Oftmals befinden sich die Eltern nämlich in unmittelbarer Nähe und trauen sich nur nicht wieder zurück zu ihrem Nachwuchs, weil sich Menschen in dessen Nähe befinden. Lienau bittet deshalb dringend darum, von jungen Kegelrobben immer einen Abstand von mindestens 300 Metern zu halten. Wer den Eindruck hat, ein tatsächlich verlassenes Jungtier entdeckt zu haben, sollte dies bei der Jagdbehörde oder der Polizei melden und nicht auf eigene Faust einen “Rettungsversuch” starten.
mh