Auch die Tiere im Wattenmeer haben mit den derzeitogen frostigen Witterungsverhältnissen zu kämpfen. Vor allem die Vogelarten, die im Wattenmeer überwintern, haben wegen der zeitweise geschlossenen Eisdecke durch die seit Wochen anhaltende arktische Kälte große Probleme. Biologe Klaus Günther von der Schutzstation Wattenmeer erklärt in “Der Inselbote”, dass solche extremen Eiswinter - auch wenn es sie immer mal wieder gegeben hat - teilweise zu hohen Verlusten unter den Tieren führen. Als Beispiel nannte er den Bestand an Pfeifenten, der sich nach dem letzten eisigen Winter 1995/96 um die Hälfte verringert hat.
Die niedrigen Temperaturen und die Vereisung des Wattenmeeres haben viele Vögel, die sonst im Wattenmeer überwintern, dazu gebracht, sich an die milderen Küsten von den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich zurückzuziehen. Dazu gehören z.B. die Austernfischer, Brandgönse, Großen Brachvögel, Pfeif- und Stockenten sowie die Sturm- und Silbermöwen. Klaus Günther koordiniert im Auftrag der Nationalparkverwaltung in Tönning das Rastvogel-Monitoring im Watt, berichtet der “Inselbote”. Er weiß, dass in milden Wintern bis zu 600.000 Vögel im Wattenmeer überwintern, in solch extrem kalten und eisigen Wintern aber nur 100.000 Vögel oder sogar noch weniger. Günther beobachtete, dass die Vögel nach erneutem Schneefall und sehr strengen Frostnächten regelrecht nach Südwesten fliehen.
An den eisfreien Stellen im Wattenmeer können aber immer noch Vögel, die dem Winter trotzen, beobachtet werden. An den Häfen und Sielen halten sich vor allem Brandgänse, Pfeif- und Stockenten auf und auf den Eisschollen in der Nähe der eisfreien Wattflächen versammeln sich Austernfischer und Große Brachvögel. Für Naturliebhaber sind die Vögel im arktischen Wattenmeer auf jeden Fall ein Erlebnis. Günther betont jedoch, dass alle, die sich die Vögel im Wattenmeer ansehen wollen, diese auf keinen Fall stören sollten, weil sie sich aufgrund der Witterung extrem energiesparend verhalten müssen.
mh