Seit Jahren kämpft die Nordseeinsel Helgoland gegen die Erosion, das “Fuselfelsen-Image” und sinkende Besucherzahlen. Helgoland liegt etwa 65 Kilometer vor Cuxhaven und noch in den 70er Jahren besuchten jährlich über 800.000 Tagesgäste die Insel. Nachdem mehrere Schiffslinien eingestellt wurden, sanken die Besucherzahlen rapide auf unter 300.000 Gäste pro Jahr ab.
Der Hamburger Investor Arne Weber hat eine Idee, wie die Insel zum “Juwel der Nordsee” und damit wieder attraktiv für Besucher wird. Nach fast 300 Jahren will Weber die ca. 1 km² große Hauptinsel mit der vorgelagerten Badedüne (0,7 km²) verbinden. Eins Sturmflut im Jahr 1721 teilte die Insel in Hauptinsel und Düne. Durch die Schließung der damals entstandenen Lücke könnten die Gäste die Badedüne einfach und bequem zu Fuß von der Hauptinsel aus erreichen.

© Immo Schiller

© Sven Hoppe
Im Gegensatz zur Insel Sylt wäre die Landgewinnung auf Helgoland laut Weber vor steigendem Wasser sicher, dennoch ist Umweltschutz ein wichtiger Aspekt in seinem Projekt, betont Weber. Bei allen Plänen rund um die Nutzung des neu gewonnenen Landes müsse der Natur genügend Raum gelassen werden. Hochhäuser oder ähnliches seien nicht geplant, vielmehr gehe es darum, die Schönheit der Insel in den Vordergrund zu rücken. Helgoland, Deutschlands einzige Hochseeinsel, bietet mehr Sonnenscheinstunden, allergenfreie Luft und klareres Meerwasser als es irgendwo sonst in Deutschlands gibt. Das soll wieder mehr Touristen anlocken.
Umweltschützer befürchten dennoch erhebliche Störungen für Tiere und Pflanzen auf der Insel. Vor allem um die Kegelrobbenkolonie, die als größte in Deutschland gilt und die auf der Düne lebt, sorgen sich Naturschützer. Unklar ist auch, ob und wie sich eine solche Landgewinnung auf die Meeresströmungen auswirken würde. Andererseits sehen einige Umweltschutzorganisationen das Vorhaben auch als Möglichkeit, das bestehende Naturschutzgebiet “Helgoländer Felssockel” auf der Land- und Seeseite zu vergrößern. Die künstlichen Riffe, die zum Schutz der Insel vor Wellen und Seegang errichtet werden sollen, bieten darüber hinaus unter Wasser neuen Lebensraum.
Als Weber, dessen Mutter selbst Helgoländerin ist, seine Idee im April bekanntgab, erhielt er große Resonanz und weckte damit auch das Interesse der nationalen und internationalen Medien. Nach eigenen Angaben waren die meisten Reaktionen positiv, es soll sogar einige potentielle Investoren geben. Nach eigenen Angaben und unter Berufung auf die Einschätzung einiger Spezialfirmen soll die Landgewinnung rund 80 Millionen Euro kosten. Das entspricht einem Preis von rund 100 Euro pro Quadratmeter Rohland. Innerhalb von zwei Jahren könnte die Landgewinnung realisiert werden. Wie genau das Projekt finanziert werden soll, ist noch unklar, angedacht ist ein Fonds “im Verbund mit anderen Investoren”.
Helgolands Bürgermeister Frank Botter hielt die Idee von Beginn an grundsätzlich für nicht schlecht, aber zunächst wollte er sie genau prüfen und vor allem musste die Inselgemeinschaft selbst von ihr überzeugt sein. Viele Helgoländer befürchteten anfangs, übervorteilt zu werden. Deshalb sollten sie selbst in einer Bürgerabstimmung über die Pläne zur Landgewinnung entscheiden. Dabei entschieden sie sich ebenso wie das Land Schleswig-Holstein, das Projekt zu unterstützen. Im Juli erklärte der schleswig-holsteinische Wirtschafstminister Dietrich Austermann (CDU), dass es aus der aktuellen Sicht keinen Punkt gäbe, der gegen das Vorhaben spricht. Alle beteiligten Behörden bildeten daraufhin eine Arbeitsgruppe, die in regelmäßigen Zusammenkünften ein Entwicklunskonzept erstellen soll. Mit der Zustimmung der Helgoländer und vorausgesetzt es treten keine unvorhergesehenen schwerwiegenden Probleme auf, könne man 2010 mit den ersten Aufspülungen beginnen.
Nordseewolf